Konflikte als Chance – Aus DU und ICH wird ein WIR

Konflikte als Chance

 

Dieser Artikel entstand zu der Blogparade von Christina Wenz, mit dem spannenden Thema „Konflikte als Chance“.

Da sich eine der Methoden die ich anwende, um mit den Kindern zu arbeiten, fast ausschließlich damit befasst, fand ich, passt das ganz gut zu diesem Blog.

 

 

Ein Konflikt ist meist ein Problem, das uns sagen möchte:

„Hey, nimm mich, schau mich an, versuche mich zu verstehen, höre mir zu.“

Das hört sich doch nett an oder? Probleme sind ja auch Freunde und keine Feinde ;-) , denn sie wollen uns nichts Böses. Nein, sie möchten uns die Chance geben zu wachsen, zu erkennen, zu reifen und vor allem es ein für alle Mal aus dem Weg zu räumen.

Ich arbeite an einer Schule als „Ent-Spannungs-Therapeutin“. Für mich bedeutet dieses ent-spannen genau das, was ich schreibe…nämlich eine Spannung herausfiltern oder –nehmen. Ob aus dem Körper, dem Geist, einer Situation…das muss von Fall zu Fall entschieden werden.

Mein Arbeitsplatz ist ein gemütlich eingerichteter Bauwagen. Ich habe ihn selbst so gewählt, weil ich den Kindern in den Gruppen eine Umgebung bieten wollte, in der sie sich wohl fühlen können. In einem Klassenzimmer ist das so nicht möglich.

Die Kinder kommen in kleinen Gruppen zu mir (ca. 6-12 Kinder). Natürlich ist der Raum auch eng, aber wie gesagt, das war volle Absicht. Manchmal entsteht ein Gekabbel während der Stunde, weil ein anderer zu nah ist oder sie kommen schon mit einer unangenehmen Stimmung an.

In solchen Fällen greife ich in meine Kiste mit kleinen Figuren.

Je nachdem wie die Stimmung ist, lasse ich alle Kinder daran beteiligen oder direkt die beiden Streithähne.

Ohne Konflikte kein Lernen…naja, das geht sicher auch reibungsloser. Was ich aber so spannend finde, ist die Lösung, die sich ergibt. Keiner rechnet damit, alle sind erstaunt und vertragen sich wieder.

Ich setze diese kleinen Figuren spielerisch ein. Mittlerweile haben die Kinder einen sehr großen Gefallen daran gefunden, weil sie spüren, dass sich danach etwas verändert hat. Oft geschieht es, dass sie von sich aus heraussprudeln mit dem was ihnen auf dem Herzen liegt. Manchmal denke ich mir: „Hmm, vielleicht doch besser nicht in der Gruppe?“ Aber sie lassen mir gar keine andere Wahl.

Dadurch, dass es spielerisch geschieht und keiner bloßgestellt wird, sondern eine Chance für alle Parteien gesucht und oft sehr schnell gefunden wird, da alles sehr intuitiv passiert,  geht es fast nebenbei.

Mit den größeren Kindern geht das auch schon mal live und in Farbe. Sie stellen sich und die anderen auf und können, mit Leichtigkeit und Effizienz, schnell ihre Lösung finden.

Manchmal denke ich mir: „Wie schön wäre es, wenn die Erwachsenen genauso leicht und freudig mit dieser Thematik umgehen würden.“ Es könnten wirklich viele innerbetriebliche Lösungen gefunden werden, wenn jeder der Beteiligten wüsste, warum, was, wieso, wie ist.

In jedem Problem liegt die Chance, die Welt ein ganz kleines bisschen besser zu machen.

Ich selber konnte nie  streiten, ging jedem Konflikt aus dem Weg. Ich wollte immer Harmonie pur. Dass das aber nicht funktioniert wenn ich mich selbst spüren möchte, habe selbst ich irgendwann begriffen. Ich streite immer noch sehr ungern, ich möchte fast behaupten, dass ich es immer noch nicht mache.

Meine Kinder schmunzelten immer, wenn ich versuchte mal laut zu werden. Mir ist sehr viel daran gelegen, nach Lösungen zu suchen, zu vermitteln oder in den Spiegel zu blicken, genauso, wie den Spiegel vorzuhalten. Nach einem lautstarken Gespräch mit einer Kollegin schauten wir uns an und sagten beide: „Schau mal in den Spiegel.“ Und schon wussten wir, was da los war.

Wenn ich in eine solche Situation komme, frage ich mich sofort:

„Was hat das mit mir zu tun?“

„Darf ich daraus lernen oder ist der andere gemeint?“

„Was darf ich dem anderen vermitteln?“

„Was wünsche ich mir von ihm oder er sich von mir?“

 

Finde ich in dem Moment keine Antwort oder komme an den anderen nicht heran, ziehe ich es vor, mich erst einmal zurück zu ziehen. Denn in der Stille mit meinen Gefühlen, komme ich schneller an meine Antwort. Kann ich dann die Antwort greifen, begreifen und spüre, es ist wichtig für mich es zu kommunizieren, suche ich das Gespräch…in einem ruhigen Ton. Meistens kann die Situation danach sofort geklärt werden.

 

Keiner ist davor gefeit nicht mal auszurasten oder laut zu werden, ungerecht zu sein oder zu schimpfen.

Frage dich danach:

„Was hat es mir mit angestellt?“

„Was hat es mit dem anderen gemacht?“

„War es das wert?“

Und dann gib dir und der Situation eine Chance…zumindest DU wirst gewachsener daraus hervor gehen können. Wenn es der andere nicht macht, ist das in diesem Fall nicht mehr dein Problem!

 

Oft sind an Konflikte aber auch alte Muster und Handlungsstrukturen geknüpft. Wenn du verstehen lernst wo sie herkommen und, dass sie eventuell gar nicht zu dir gehören, dann lasse sie in Liebe los, entferne sie…du brauchst sie ja nicht mehr.

Durch diese Spiele mit den Kindern können oft ganz leicht Muster durchbrochen werden…unbewusst, alles andere  würde in diesem Rahmen zu weit führen.

 

Es kann aber auch sein, dass der eine im Streit, sein Gefühl völlig anders zum Ausdruck bringt und deshalb vom anderen, der das Gefühl so nicht interpretieren kann, „falsch“ verstanden wird. Hierzu habe ich vor kurzem einen Artikel geschrieben. Das Fühlen der Gefühle und die Interpretation dazu ist so unterschiedlich wie es Sprachen gibt.

 

Mein Wunsch an dich ist, dass du dir ein Stück des Kind-Seins zurückholst, spielerisch und mit Leichtigkeit an Konflikte herangehst, damit du deine Chance nicht verpasst, die sich daraus unweigerlich entwickelt. Kinder vergessen und vergeben schnell, sie sind offen für Antworten, die Erklärungen liefern. Wir Erwachsenen sind leider sehr oft nachtragend und verbohrt, sodass an der Chance, die sich für jeden bietet oft länger gearbeitet werden darf.

 

Es gibt in einem Konflikt weder Gewinner noch Verlierer…es gibt nur eine Chance, die Chance zu lernen, zu wachsen und es beim nächsten Mal anders und bewusster anzugehen!

 

 

 

 


2 thoughts on “Konflikte als Chance – Aus DU und ICH wird ein WIR”

  1. Liebe Damaris, herzlichen Dank für Deinen wunderbaren Beitrag zur Blogparade. Ich bin sehr froh, dass Du dabei bist. Erstmal muss ich sagen, dass ich finde, dass Du einen tollen und sehr wichtigen Beruf hast! Es ist klasse, wenn Kinder früh lernen, mit Konflikten und Gefühlen richtig umzugehen. Deine Tipps und Gedankenanstöße sind toll und sehr wertvoll! Danke dafür! Ich werde auf Deinem Blog jetzt auf jeden Fall öfters vorbeischauen! Liebe Grüße, Christina Wenz

    1. Danke liebe Christina für die Möglichkeit und das Kompliment! Sehr gerne habe ich diesen Artikel geschrieben. Beim Schreiben ging mir das Herz auf, was mich wieder mal in meiner eigenen Arbeit bestätigt. Es macht sehr viel Spaß mit den Kindern arbeiten zu dürfen…sie sind sehr dankbar ;-).

      Alles Liebe,
      Damaris

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